Schwäbischer Kartoffelsalat…

Schwäbischer Kartoffelsalat…

…und Heiligabend im Stall

Nur noch eine Woche bis Heiligabend! Zeit, sich um das Essen zu kümmern. Seither gab es bei uns am 24. traditionell Königinpasteten mit Kalbsfrikassee. Dieses Jahr sitzen bei uns am Tisch: ein Normalköstler, ein Vegetarier und eine 90 %-Veganerin. Fast unmöglich, dies unter einen Hut zu bringen. Es soll ja nicht irgendetwas geben. Schließlich ist ja Weihnachten! Es soll allen schmecken und dabei noch festlich sein. Das wird eine echte Herausforderung…

Wir sind eine Familie, für die Essen und Genuss eine zentrale Rolle spielen. Schon an normalen Werktagen gibt es bei uns eigentlich immer gesundes und leckeres Essen. Wir zelebrieren dies geradezu. In vielem sind wir uns sehr einig, was zum Beispiel die Qualität unserer Lebensmittel angeht. Sie müssen von ausgezeichneter Qualität, Bio und regional sein. 

Wir haben unseren Fleischkonsum als Familie im letzten Jahr drastisch reduziert, auch den Konsum von tierischen Produkten. Dies hat gesundheitliche, aber auch viele ethische Gründe. Mein Sohn und ich essen gar kein Fleisch und keinen Fisch. Mein Mann nur noch selten. Ich selbst ernähre mich vollwertig-pflanzenbasiert und zu 90 % vegan. Und da ich bei uns in der Familie für das Kochen verantwortlich bin, meine Männer überwiegend auch. 

Und nun also Weihnachten. Was wollen wir an Heiligabend essen? Zuerst überlege ich, für die Königinpasteten unterschiedliche Saucen zu machen: mit Fleisch, vegetarisch und vegan. Aber damit können wir uns nicht richtig anfreunden. Wir wollen nicht unterschiedliche Essen auf unseren Tellern haben. Schließlich geht es beim Essen und beim Genießen auch ganz viel um Gemeinschaft und Gemeinsamkeit. Also haben wir uns entschieden, dass es ein Essen geben soll, dass für uns alle drei passt. 

Kochen und gesunde Ernährung sind meine Leidenschaft. Fast jede Herausforderung zum Thema Essen nehme ich gerne an. Sobald eine solche an mich gestellt wird, beginnt mein Gehirn zu arbeiten und ich mache mir Gedanken dazu, wie man ein bestimmtes Gericht lecker und gesund (und möglichst vegan) zubereiten kann. 

Die Quadratur des Kreises

Fassen wir die Anforderungen noch einmal zusammen:

  • Es soll Königinpasteten geben.
  • Es soll möglichst so ähnlich schmecken wie bisher.
  • Es soll kein Fleisch enthalten.
  • Es soll keine tierischen Produkte enthalten.

Das klingt irgendwie nach der Quadratur des Kreises. Eigentlich kann es dafür keine Lösung geben. Aber dann kommt mir doch noch eine Idee. Das Kalbfleisch kann man einfach durch Pilze ersetzen! Zustimmung von meiner besseren Hälfte, Ablehnung seitens des Juniors: „Neeeeeee! Keine Pilze! Ich mage keine Pilze!“ Kinder überzeugen meist durch sehr eindeutiges Feedback… Mein Sohn schlägt  vor, anstelle von Pilzen Erbsen zu verwenden. Das kann ich mir auch gut vorstellen, allerdings kommt hier deutlicher Widerstand seitens meines Mannes. Er hasst Erbsen. Das gleiche gilt auch für Tofu, so dass ich diesen Vorschlag erst gar nicht mache. 

Da fällt mir ein, dass ich in letzter Zeit  viel über die Jackfruit gelesen habe. Sie soll gesund und relativ geschmacklos sein und eine Struktur haben, die der von Fleisch sehr ähnlich ist. Sie wird deshalb sehr gerne von Veganern und Vegetariern als Fleischersatz verwendet. Das klingt nach einer guten Lösung für uns.

Das Essen an Weihnachten soll auf jeden Fall schmecken. Also müssen wir ein Probeessen machen. Wir kaufen ein Päckchen Jackfruit. Ich bereite eine leckere Mehlschwitze aus Vollkornmehl und Pflanzenmilch zu und schmecke diese mit frischem Zitronensaft, Kurkuma, Salz und Pfeffer ab. Ich brate die Jackfruit an und gebe diese in die Sauce.

Dann sitzen wir erwartungsfroh am Tisch, vor uns das Jackfruit-Frikassee. Wir nehmen uns alle ein Stück und probieren vorsichtig. Der erste Eindruck: Die Sauce schmeckt gut. Der zweite Eindruck: Die Jackfruit schmeckt nach gar nichts und hat eine unangenehme Konsistenz. Wir schauen uns an und fällen ein einstimmiges Urteil: Die Jackfruit scheidet aus. 

Also heißt es, weiter über Alternativen nachzudenken, was zunehmend schwieriger wird. Dann fällt mir zu guter Letzt doch noch eine Lösung ein: Auberginen! Also veranstalten wir das nächste Probeessen (und ewig grüßt das Murmeltier). Die gleiche Sauce wie beim letzten Mal. Nur die Jackfruit wird durch angebratene Auberginenwürfel ersetzt. Wieder sitzen wir erwartungsfroh am Tisch. Die Spannung steigt. Dieses Mal muss es schmecken, da mir langsam wirklich die Ideen ausgehen.

Und es schmeckt tatsächlich sehr lecker. Und es schmeckt uns allen. Allerdings müssen wir uns auch eingestehen, dass diese Variante mit unserem bisherigen traditionellen Heiligabend-Essen nicht mehr viel zu tun hat…

Eine Idee aus der Küche meiner Freundin

Ich bin am Verzweifeln. Woher kriege ich jetzt noch eine richtig gute Idee für unser Essen an Heiligabend? Wird dies der erste Heiligabend sein, an dem es kein leckeres Essen gibt?

Der entscheidende, geradezu befreiende Satz kommt von meinem Mann: „Vielleicht müssen wir einfach etwas ganz anderes kochen als bisher.“ Mir geht das Herz auf. Stammt die Tradition mit den Königinnenpasteten doch aus seiner Familie…. Ich bin gerührt. Aber die Frage bleibt dennoch: Was sollen wir kochen?  

Und dann sitze ich eines Nachmittags in der Küche meiner Freundin (hier entsteht so manche gute Idee). Während wir uns wie immer angeregt unterhalten, bereitet sie einen Kartoffelsalat zu. Und sie erzählt mir dabei, dass sie ihre Mutter (die ich sehr mag) anrufen musste, um nachzufragen, wie man Schwäbischen Kartoffelsalat richtig zubereitet. Und dass ihre Mutter dann am Telefon alles genau erklärt hat: Was alles in die Brühe gehört, dass man den Salat in der warmen Brühe gut durchziehen lassen muss und dass das Öl erst ganz am Schluss dazu kommt, wenn der Kartoffelsalat kalt ist.

Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Schließlich hat meine Mama, als sie noch lebte, immer den weltbesten Kartoffelsalat gemacht. Und in meiner Kindheit gab es an Heiligabend immer das gleiche Essen: Kartoffelsalat mit Würstchen. 

Kartoffelsalat und das Fest der Liebe

In Schwaben und soweit ich weiß auch in vielen anderen Regionen Deutschlands ist dieses einfache Gericht an Heiligabend Tradition, weil es daran erinnern soll, dass Jesus in einem Stall geboren wurde. Ohne jegliche Reichtümer, ohne Weihnachtsbraten und ohne Zentralheizung. Dass es an diesem Tag keine Rolle spielt, was man isst. Dass es ein Fest der Liebe ist und dass es an diesem Tag nur wichtig ist, mit den Menschen zusammen zu sein, die man liebt und die man im Herzen hat.

Und plötzlich wird mir klar, dass es auch egal ist, was  an diesem Tag bei uns auf den Tellern liegt. Es ist nur wichtig, dass wir als Familie zusammen sind. Dass wir gemeinsam Zeit verbringen und zusammen feiern und genießen, ganz egal, was es zum Essen gibt. Also wird es dieses Jahr an Heiligabend bei uns Schwäbischen Kartoffelsalat (vegan!) mit irgendwas geben. Oder es gibt Königinnenpasteten mit Auberginen-Sauce. Oder vielleicht etwas ganz anderes? Es spielt einfach keine Rolle!

Wir werden um 16 Uhr in den Kinder-Gottesdienst gehen, die Weihnachtsgeschichte hören und Weihnachtslieder singen. Dort werden wir wie jedes Jahr  ein paar unserer Freunde und Bekannten treffen. Wir werden noch ein bisschen zusammen stehen, miteinander reden und lachen, uns dann umarmen, uns ein frohes Weihnachtsfest wünschen und alle in unterschiedlichen Richtungen wieder auseinander gehen und dabei die Wärme und die Zuneigung dieser lieben Menschen mit nach Hause nehmen.

Später, wenn die Kerzen am Weihnachtsbaum erloschen und alle Geschenke ausgepackt sind, werden wir zusammen unseren Kartoffelsalat oder unsere Königinnenpasteten essen. Und vielleicht einen guten, einen besonderen Rotwein dazu trinken, den mein Mann extra für Weihnachten ausgesucht hat. Und wir werden froh sein, dass wir reich beschenkt wurden. Mit lieben Menschen, die wir unsere Freunde nennen dürfen, und mit unsere Familie, in der wir uns in inniger Liebe zugeneigt sind und liebend gerne Zeit miteinander verbringen.

Und jeder, der schon einmal einen guten Schwäbischen Kartoffelsalat gegessen hat, weiß, dass es sich dabei eigentlich um eine Delikatesse handelt. Er ist würzig, zergeht fast auf der Zunge, ohne dass die Kartoffeln in irgendeiner Form mehlig wären, und macht glücklich und satt. Deshalb habe ich für Euch das Rezept aufgeschrieben. Ihr könnt ihn an Heiligabend genießen oder an irgendeinem anderen Tag. Er schmeckt eigentlich immer! 

Habt einen wunderschönen Heiligabend. Lasst es Euch gut gehen und genießt die Zeit mit Euren Lieben! 

Schwäbischer Kartoffelsalat

1 kg Kartoffeln, festkochend
200 ml Wasser
2 TL Salz
einige Umdrehungen aus der Pfeffermühle
2 TL Senf
2 EL Apfelessig

5 EL Sonnenblumenöl

Die Kartoffeln in der Schale weich kochen. Etwas abkühlen lassen. Dann schälen und in dünne Scheiben schneiden.

Das Wasser aufkochen und mit dem Salz, dem Pfeffer, dem Senf und dem Apfelessig gut verrühren. Über die Kartoffeln geben, durchmischen und mindestens eine Stunde gut durchziehen lassen.

Anschließend das Öl dazu geben, erneut vermischen und ggf. abschmecken.

In Schwaben sagt man übrigens, dass der Kartoffelsalat „schwätzen“ muss. Das heißt, wenn man ihn mischt, muss er ein schmatzendes Geräusch von sich geben. 

2 Kommentare

  1. Meine Liebe, der Artikel inspiriert mich sehr und berührt die Seele! !! Danke dafür! Du bringst die Themen Ernährung und Seele in eine tolle Verbindung – freu mich auf den nächsten Beitrag! !!

    1. Author

      Oh, ist das lieb! Vielen herzlichen Dank für dein Feedback, meine Liebe! Das freut mich wirklich sehr. Und wenn dich der Artikel berührt hat, umso mehr. Dazu ist Weihnachten ja schließlich da. 🙂
      Ganz liebe Grüße und genieße die letzten Tage vor Weihnachten!

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