Alkohol – so schädlich ist das Genussmittel wirklich

Alkohol – so schädlich ist das Genussmittel wirklich

Alkohol ist in unserer Gesellschaft fest verankert. Das Gläschen Sekt zum Geburtstag ist für viele genauso wenig wegzudenken wie das tägliche Feierabendbier zum Entspannen oder das Glas Rotwein als Belohnung für einen anstrengenden Tag. Immer mehr Studien zeigen jedoch, dass Alkohol viele negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. Gerade erst hat die WHO erklärt, dass es bei Alkohol keine gesundheitlich unbedenklichen Mengen gibt. Auf der anderen Seite wird immer wieder gerne eine französische Studie zitiert, nach der uns regelmäßiger Rotweinkonsum mit einer höheren Lebenserwartung belohnt. Ist Alkohol also des Teufels, oder sollten wir doch öfter mal ein Gläschen Rotwein genießen? 

In meinen Ernährungsberatungen und Kursen werden mir immer viele Fragen gestellt. Dabei treibt ein Thema besonders viele Menschen um: Ist Alkohol wirklich ungesund, oder darf ich weiterhin mein tägliches Glas Wein oder Bier genießen? Dabei stellt sich im weiteren Gespräch so manches Mal heraus, dass es nicht nur um das eine Glas geht. Viele meiner Kund*innen gestehen sich dann im Laufe des Gesprächs ein, dass sie doch eher zwei oder drei Gläser am Tag trinken. Und am Wochenende oder wenn es etwas zu feiern gibt, kommt gerne auch noch das eine oder andere Glas zusätzlich dazu.

Alkoholkonsum: im oberen Drittel 

In Sachen Alkoholkonsum gehört Deutschland laut Bundesministerium für Gesundheit weltweit zum oberen Drittel. Jeder Deutsche trinkt im Schnitt jährlich 10,6 Liter reinen Alkohol. „7,9 Millionen Menschen der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Ein problematischer Alkoholkonsum liegt bei etwa 9 Millionen Personen dieser Altersgruppe vor“, so das Ministerium. Dabei spielt Alkoholkonsum eine wichtige Rolle bei der Entstehung zahlreicher chronischer Krankheiten wie beispielsweise Lebererkrankungen, aber auch Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Alkohol ist fest in unserer Gesellschaft verankert. Menschen, die keinen Alkohol trinken wollen oder dürfen, haben es oft nicht leicht. Sätze wie „Sei kein Spielverderber.“ oder „Ein Glas geht doch immer.“ machen es oft schwer, bei einem ursprünglich geäußerten Nein zu bleiben. Dabei sind die Gründe für unseren Alkoholkonsum sehr unterschiedlich. Da sind zum einen die Menschen, denen alkoholische Getränke einfach schmecken. Dann sind da zum anderen die, die sich mit Alkohol belohnen oder entspannen wollen. Viele Alkoholkonsumenten schätzen auch die enthemmende Wirkung, die Alkohol zweifelsohne hat. Und dann sind da natürlich auch die Menschen, die süchtig sind, deren Leben sich rund um die Uhr um das Thema dreht und die gar nicht mehr ohne die Droge leben können. 

Das französische Paradox

Wir Deutschen lieben unseren Alkohol und mögen eigentlich gar nicht auf ihnen verzichten. Vielen fällt es sogar bereits schwer, ihren Konsum vorübergehend zu reduzieren. Da kommt eine Studie, die die Gefahren der Droge relativiert beziehungsweise sogar positive Effekte im Alkohol vermutet, gerade recht. So sollen Forscher herausgefunden haben, dass Franzosen, die überdurchschnittlich viel rauchten und Fett konsumierten, seltener an einem tödlichen Herzinfarkt starben als andere Europäer. Forscher der Universität Bordeaux nannten dieses Phänomen das „französische Paradox“. Es gab unterschiedliche Erklärungsansätze, wobei viele Mediziner von Anfang an daran zweifelten, ob das Paradox überhaupt existiert.

Im wesentlichen führte man das Paradox jedoch auf den höheren Konsum von Alkohol zurück. Vor allem geht es um Rotwein, da dieser neben gesundheitsschädlichem Alkohol auch einige wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe enthält. Und wie gerne möchte man das glauben, damit man sein tägliches Glas Rotwein weiterhin ohne schlechtes Gewissen konsumieren kann. Allerdings muss ich hier dann doch reichlich Wasser in den Wein gießen. Denn eine Studie der WHO hat ergeben, dass das Paradox schlicht und ergreifend darauf zurückzuführen ist, dass die Todesursachen auf französischen Sterbeurkunden falsch erfasst wurde. 

Je weniger desto besser

Und die WHO gießt noch mehr Wasser in unseren Wein. Laut einer Erklärung, die im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht wurde, gibt es in puncto Alkohol „keine gesundheitlich unbedenkliche“ Menge. Vielmehr spricht die WHO von einer „toxischen, psychoaktiven und süchtig machenden Substanz“ und stellt Alkohol auf die gleiche Stufe wie die Karzinome Asbest, Strahlung und Tabak. Sie macht Alkohol unter anderem für viele Krebserkrankungen wie beispielsweise Brustkrebs und Darmkrebs mit verantwortlich. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alkoholkonsum, wobei schon leichter oder moderater Alkoholkonsum (weniger als 1,5 Liter Wein oder 3,6 Liter Bier pro Woche) laut WHO drastische Auswirkungen auf die Gesundheit habe. 

Die europäische Gesellschaft für Kardiologie dagegen bezeichnet eine tägliche Menge von 160 ml Wein als „sicher.“ Sie bezieht sich dabei auf eine im Jahr 2018 in „The Lancet“ veröffentlichte Übersichtsarbeit. Diese kam zum Schluss, dass die Lebenserwartung bei dieser geringen Alkoholmenge konstant bleibt. Anders ausgedrückt: Wenn wir täglich nicht mehr als ein kleines Glas Wein trinken, haben wir kein erhöhtes Risiko, krank zu werden beziehungsweise vorzeitig zu sterben. Im Gegensatz zu früheren Studien, die Männern die doppelte Menge Alkohol zugestand, gilt inzwischen übrigens für Männer und Frauen das gleiche kleine Glas Wein als Obergrenze.

Eine individuelle Entscheidung

Allerdings bleibt die Studienlage unübersichtlich. Es bleibt fraglich, ob ein geringer täglicher Alkoholkonsum folgenlos bleibt, oder ob sich bereits der erste Tropfen Alkohol negativ auf unsere Gesundheit auswirkt. Nur in einem sind sich die Forscher einig: Je weniger wir trinken, desto besser. Denn auch wenn Alkohol in der einen oder anderen Studie geringe positive Eigenschaften beispielsweise aufgrund der in Rotwein enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe zugeschrieben werden, bleibt es dennoch ein körperfremdes Gift, mit dem unser Körper erst einmal fertig werden muss. 

Aber letzten Endes muss jeder selbst entscheiden, wie er mit dem Thema Alkohol umgeht. Im Einzelfall lässt sich nur schwer vorhersagen, wie sich regelmäßiger Alkoholkonsum auf die Gesundheit und die Lebenserwartung auswirkt. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, einen bewussteren Umgang mit dem Thema Alkohol zu finden und das eigene Konsumverhalten auf den Prüfstand zu stellen. Man muss ja nicht gleich komplett auf Alkohol verzichten. Jedes Glas, das man weniger trinkt, hat schon Effekte und wirkt sich positiv auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden aus. 

Der richtige Umgang mit Alkohol

Da es meinen Kund*innen in der Regel nicht leicht fällt, auf Alkohol zu verzichten oder ihren Konsum zu reduzieren, habe ich hier ein paar Tipps zusammengestellt, die Euch dabei unterstützen:

  • Der erste Schritt auf dem Weg zu einem bewussteren Umgang mit Alkohol ist absolute Ehrlichkeit. Das heißt, wir sollten uns unseren Alkoholkonsum nicht schön reden. Dabei hilft es, seinen Konsum eine Woche lang zu dokumentieren, und zwar jedes einzelne Glas. So zeigt sich sehr deutlich, ob wir bereits über dem kleinen Glas Wein liegen und auch wie weit wir von dieser Obergrenze entfernt sind.  
  • Außerdem sollten wir uns über unsere ganz persönlichen Trigger klar werden, also warum und wann wir Alkohol trinken. Wenn wir verstanden haben, warum wir zur Flasche greifen, können wir das Problem quasi an der Wurzel bekämpfen. 
  • Vielen meiner Kund*innen hilft es, sich bewusst zu machen, dass Alkohol kein Getränk, sondern ein Genussmittel ist, das eben die beschriebenen negativen gesundheitlichen Auswirkungen hat. So kann man einen bewussteren Umgang mit Alkohol finden und so auch das eine oder andere Glas weniger trinken. 
  • Alkoholpausen (wie beispielsweise der Dry January) helfen oft, unseren Alkoholkonsum wieder auf ein niedrigeres Level zu bringen. Zum einen spüren wir so, wie gut es uns ohne die Droge geht und wie fit wir uns ohne sie fühlen. Das liegt unter anderem daran, dass unsere Leber ohne Alkohol stark entlastet ist und sich erholen kann. Zum anderen hat Alkohol einen deutlichen Gewöhnungseffekt. Das heißt, nach einer Pause spüren wir die Wirkung von Alkohol wieder viel stärker und trinken so automatisch weniger. 
  • Wer nicht gleich einen ganzen Monat verzichten will, kann mit einem teilweisen Verzicht beginnen. Wenn man es beispielsweise gewohnt ist, jeden Tag ein oder zwei Gläser Wein zu trinken, kann man damit anfangen, nur noch am Wochenende oder zu besonderen Anlässen Alkohol zu konsumieren und im Alltag darauf ganz zu verzichten. Alternativ kann man beispielsweise auch aus den zwei Gläsern ein Glas machen. 
  • Sehr hilfreich ist es auch, sich Verbündete zu suchen. Es fällt viel leichter, gemeinsam mit dem Partner/der Partnerin oder einer guten Freundin Verzicht zu üben, als alleine an seinem Alkoholkonsum zu arbeiten. 
  • Wie bei allen negativen Gewohnheiten ist es hilfreich, sich Alternativen zu suchen. So kann man das Feierabendbier durch eine schöne Tasse Tee, einen kleinen Spaziergang oder ein Telefonat mit der besten Freundin ersetzen. 
  • Außerdem hilft es vielen Menschen, sich für den Verzicht zu belohnen. So kann man sich beispielsweise eine Massage oder ein schönes Essen mit Lieblingsrestaurant gönnen, wenn man es geschafft hat, seinen Konsum zu reduzieren. Wenn man das Geld, das man üblicherweise in Alkohol investiert hat, in einem Glas – am besten in einem Weinglas – sammelt, hat man seinen Erfolg auch immer deutlich vor Augen. 

Egal welchen Weg man wählt: Über jedes Glas, das man nicht trinkt, kann man sich freuen und gleichzeitig auf sich selbst stolz sein. Wenn man es erst einmal geschafft hat, seinen Alkoholkonsum zu reduzieren, wird man schnell merken, dass man sich besser fühlt. Und dann fällt es zukünftig deutlich leichter, Alkohol als Ausnahme zu betrachten und diesen seltener und bewusster zu konsumieren.

Wenn man allerdings das Gefühl hat, nicht ohne Alkohol auskommen zu können oder sich die Gedanken im Alltag ständig um das nächste Glas Bier oder Wein drehen, sollte man darüber dringend mit seinem Arzt sprechen und sich Hilfe suchen! 


In meinem Artikel Volkskrankheit Fettleber – so bleibt unsere Leber gesund erfährst du, warum immer mehr Menschen unter einer Fettleber leiden, und was du deine Leber ganz einfach fit hältst.

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