Vegan = gesund: Die Rechnung geht nicht immer auf

Vegan = gesund: Die Rechnung geht nicht immer auf

Vegan ist DER neue Ernährungstrend. Immer mehr Produkte tragen das Label „vegan“. Und wir greifen bei diesen Lebensmitteln gerne zu, egal ob wir komplett auf tierische Produkte verzichten oder nicht. Schließlich ist es gesund, sich vegan zu ernähren, und das gute Gewissen ist im Preis gleich mit inbegriffen. Aber woher wissen wir eigentlich, dass vegan gesund ist? Ist das wirklich so, oder wird uns das nur von der Lebensmittelindustrie vorgegaukelt, damit wir diese trendigen und nicht gerade billigen Produkte gerne kaufen?

Hier geht es direkt zum Rezept!

Es war wirklich zum verrückt werden. Ich war mit meinem Nachtisch immer noch nicht zufrieden. Und dabei hatte ich schon einen misslungenen Versuch hinter mir. Optisch war er einwandfrei, und ich hatte schon viele schöne Fotos „im Kasten“, aber geschmacklich war noch „Luft nach oben“.

Ich hatte einen Auftrag erhalten, ein Rezept für einen gesunden veganen Nachtisch zu schreiben. Das ist gar nicht so einfach. Süß und gesund schließen sich leider häufig gegenseitig aus. Zumindest wenn man die gängigen Nachtisch-Rezepte anschaut. Diese enthalten neben viel Zucker meist auch reichlich tierische Produkte wie Sahne oder Eier. Man denke nur an Mousse au Chocolat oder Tiramisu.

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, eine vegane Mohn-Panna Cotta zu kreieren. Nun war ich schon beim zweiten Versuch, der leider – wie der erste auch – missglückt war. Genervt fragte ich mich, warum es denn gerade vegan sein muss. Hätte ich einfach Sahne anstelle von Mandelmilch (im ersten Versuch) oder Kokosmilch (im zweiten Versuch) verwendet, wäre das Ergebnis nicht nur optisch ansprechend, sondern würde auch richtig gut schmecken.

Vegan – nur ein neuer Ernährungstrend?

Vegane Cashew Mohn Flammeri von vorne mit Himbeer Sauce und Minze

Immer mehr Menschen ist es wichtig, sich gesund und gleichzeitig ethisch korrekt zu ernähren. Sie entscheiden sich deshalb für eine vegane Ernährungsweise und verzichten somit auf sämtliche tierische Produkte: auf Fleisch, Fisch und Milchprodukte wie Sahne, Joghurt und Käse. Nicht einmal Honig wird in der veganen Küche verwendet.

Als Ernährungsberaterin werde ich häufig gefragt, ob vegane Ernährung gesund ist. Ernährungstrends gibt es viele. Man erinnere sich nur an den Low-Carb-Wahn. Dieser liegt Gott sei Dank in den letzten Zügen und gehört wohl bald ganz der Vergangenheit an. Aber kaum verschwindet ein Ernährungstrend in der Versenkung, zeigt sich der nächste schon am Horizont.

Das stellt viele Menschen vor eine große Herausforderung. Schließlich wird häufig die eine Ernährungsform, die gestern noch als super gesund galt, plötzlich komplett verdammt (da ungesund), und ein neuer Trend wird in den Himmel gelobt. Wie soll man da als Laie bewerten, was wirklich gesund ist?

Momentan ist ganz eindeutig „vegan“ der beliebteste Trend. Einen Ernährungstrend erkennt man übrigens immer daran, dass die Zahl der Fertigprodukte mit dem entsprechenden Label stark zunimmt: vegane Maultaschen, veganer Käse, vegane Chips – die Supermarkt-Regal sind voll von Produkten mit dem Label „vegan“. Die Lebensmittelindustrie ist – wie bei jedem Trend – schnell auf diesen Zug aufgestiegen und unterstützt bereitwillig unser Bedürfnis nach gesunder und ethisch korrekter Ernährung. Wir nehmen dieses Angebot dankend an und greifen beherzt zu.

Aber sobald mit einem Ernährungstrend viel Geld verdient wird, werde ich misstrauisch. Immer wenn die Lebensmittelindustrie ins Spiel kommt, wird es meistens ungesund für den Verbraucher. Und am Ende bleibt nur noch ein Label, mit dem viel Geld verdient werden kann. Bis der nächste Trend ums Eck kommt…

Warum eigentlich vegan?

Dabei sind die Gründe, warum sich Menschen vegan ernähren wollen, durchaus berechtigt. Da wäre zum Beispiel

  • der Wunsch, die alltägliche, unerträgliche Tierquälerei in der Landwirtschaft, in der Fleisch-, Wurst- aber auch Milchindustrie zu beenden;
  • das Bedürfnis, nicht mehr länger zu ignorieren, dass unsere Erde und alles Leben auf ihr – gerade auch durch die Massentierhaltung – im höchsten Maße gefährdet ist, und endlich etwas für den Klimaschutz zu tun;
  • das Mitgefühl, das uns sagt, dass wir nicht länger auf Kosten der ärmeren Weltbevölkerung unseren Hunger stillen dürfen oder auch
  • einfach der Wunsch, sich gesünder zu ernähren.

Meistens ist es eine Mischung aus all diesen Gründen, die Menschen dazu bewegt, ihre Ernährung zu verändern. Auch bei mir haben all diese Themen dazu beigetragen, dass ich mich heute überwiegend vegan ernähre.

Vegane Flammeri aus Cashew und Mohn von oben mit Löffel

Vegan – ist das gesund?

Aber viele Veganer oder die, die es gerne werden möchten, machen sich Gedanken darüber, ob diese Ernährungsform wirklich gesund ist. Befürworter und Gegner führen hitzige Debatten darüber. Dabei verfangen sich diese Diskussionen meist im Dickicht der Ideologie, ohne dass die Kontrahenten genau hinschauen, über was sie eigentlich gerade reden. Und für die meisten Menschen bleibt am Ende die Frage ungeklärt, ob es nun gesund ist, sich vegan zu ernähren oder nicht.

Und leider gibt es auch keine eindeutige Antwort auf diese Frage. Als Ernährungsberaterin muss ich sie mit einem klaren „Es kommt darauf an!“ beantworten. Wenn wir uns mit veganer Ernährung auseinandersetzen (und ich empfehle das wirklich jedem, der auf diesem Planten lebt!), müssen wir uns als erstes klar machen, dass vegan nicht gleich gesund ist. Wie jetzt? – werden sich nun viele fragen. Heißt das, dass ich mit meiner veganen Ernährungsweise zwar die Welt und die Tiere rette, mir aber selbst schade???

Aber es ist tatsächlich so: Aus dem Begriff „vegan“ können wir überhaupt nicht ableiten, ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht. Per Definition sagt vegan nämlich nichts darüber aus, was wir essen, sondern vielmehr darüber, was wir nicht essen: Als Veganer verzichten wir auf sämtliche tierische Produkte. Das ist das, was alle Veganer eint. Das war es dann aber auch schon alles. Darüber hinaus ernähren sich Veganer sehr unterschiedlich.

Vegan ist nicht gleich vegan

Es gibt Veganer, die sich mehr oder weniger von den oben genannten Fertigprodukten ernähren. Aber es gibt auch Veganer (nach meiner Erfahrung die überwiegende Mehrheit), die sich sehr gesund ernähren. Die sich über ihre Ernährung viele Gedanken machen und sich neben ethischen Themenstellungen auch damit auseinandersetzen, welche Nährstoffe ihr Körper braucht und wie sie diese über vegane Ernährung bestmöglich erhalten.

Es ist sicherlich ratsam, sich intensiv mit dem Thema Ernährung auseinander zu setzen, wenn man sich vegan ernähren möchte. Es reicht nicht aus, Fleisch durch irgendeines der zahlreichen veganen Fertigprodukte zu ersetzen. Wenn ich mich nicht nur vegan, sondern auch gesund ernähren will, muss ich mich mit meiner Ernährung beschäftigen und lernen, wie ich meinen Körper mit allen notwendigen Mikronährstoffen versorgen kann.

Cashew Mohn Flammer, vegan, quer

Nicht nur vegan, sondern auch vollwertig und pflanzen-basiert

Das geht am einfachsten, wenn ich mich von meinen Ernährungsgewohnheiten löse und quasi ganz von vorne beginne. Dabei ist es hilfreich, nicht die gewohnten Gerichte mit Hilfe von Fertigprodukten vegan nachzukochen, sondern sich nach vollwertigen und pflanzen-basierten Rezepten umzuschauen, die frische, möglichst unveränderte Lebensmittel verwenden und deren Hauptbestandteil Gemüse (inkl. Hülsenfrüchte), Obst, vollwertiges Getreide, Nüsse und Samen bilden.

Natürlich sind auch ab und zu Fertigprodukte erlaubt, wenn es mal schnell gehen muss. Aber diese sollten die Ausnahme bleiben. Wenn Hafer-„Sahne“ Palmöl, Stabilisatoren und Emulgatoren beinhaltet, ist das weder für uns noch für die Umwelt gut. Und wenn eine große Fast-Food-Kette plötzlich einen veganen Burger herausbringt, sollte uns sehr bewusst sein, dass es hier nur um die Gewinnsteigerung dieser Fast-Food-Kette geht und ganz und gar nicht um unsere Gesundheit oder gar unsere Umwelt. Gerade wenn wir uns auch ethisch korrekt ernähren wollen, sollten wir bei Fertigprodukten genau hinschauen, was mit dem Gewinn aus diesen Produkten alles finanziert wird.

Wenn man sich bei einer solchen Ernährungsumstellung überfordert fühlt oder sich dabei unsicher fühlt, sollte man sich fachmännische Hilfe holen. Es ist auch ratsam, die Umstellung im Vorfeld mit dem Hausarzt oder dem Heilpraktiker zu besprechen, damit man bestimmte Blutwerte zu Beginn der Umstellung im Blick hat.

In meinen Rezepten könnt Ihr schon einmal stöbern, wie eine vollwertige und pflanzen-basierte vegane Ernährungsweise aussehen kann. Eine vollwertige, pflanzen-basierte Kost muss übrigens nicht zwangsläufig vegan sein. Bei dieser Ernährungsform kann jeder so variieren, dass er sich wiederfindet.

Jeder Schritt zählt

Wenn Ihr Euch gesünder und vielleicht auch ethisch korrekter ernähren möchtet, ist es wichtig, dass Ihr Euch nicht überfordert. Eine Nahrungsumstellung muss – weder aus gesundheitlichen noch aus ethischen Gründen – in allen Belangen 100 %-ig dem Label „vegan“ entsprechen. Jeder kleine Schritt in diese Richtung zählt. Es ist auf jeden Fall besser, kleine Schritte zu machen, als gar nicht erst loszulaufen.

Wenn Ihr zum Beispiel bisher täglich Fleisch und Wurstprodukte gegessen habt, ist es für Eure Gesundheit und unser Klima schon hilfreich, wenn Ihr Euren Fleischkonsum auf einmal pro Woche einschränkt. Wenn Ihr seither konventionelle Fleischprodukte im Supermarkt gekauft habt und auf Demeter-Produkte aus dem Bio-Laden umsteigt, ist dies ein großer Schritt für das Tierwohl, die Umwelt und Eure Gesundheit.

Und manchmal ist weniger auch mehr. Es ärgert mich immer sehr, wenn vegane Produkte – wie auch die oben genannte Hafer-„Sahne“ – Palmöl enthalten (soviel zum Thema Klimaschutz…). Oder wenn vegane Würstchen (ein hochverarbeitetes Produkt) von einem großen deutschen Fleisch- und Wurstproduzent hergestellt werden, weil sich in diesem Trend-Sektor besonders hohe Margen erzielen lassen.

Umdenken, nicht nachmachen

Aber zurück zu meinem Nachtisch-Rezept. Zweimal war ich nun schon gescheitert. Mein zweiter Versuch, eine vegane Panna Cotta herzustellen, gefiel mir schon besser. Mit der Kokosmilch war das Resultat weitaus cremiger und erinnerte somit schon viel mehr an eine „echte“ Panna Cotta. Aber so richtig zufrieden war ich immer noch nicht.

Schließlich entschloss ich mich dazu, noch einmal ganz von vorne zu beginnen und nicht mehr weiter dem Original nachzueifern. Panna heißt schließlich Sahne, und das ist ein tierisches Produkt, das ich nicht verwenden wollte. Auch wollte ich die Sahne nicht einfach durch ein veganes Fertigprodukt ersetzen. Dann kam mir die Idee, als Basis Chashew-Kerne zu verwenden. Am Ende ist dann ein super leckeres Flammeri-Rezept heraus gekommen, das mit einer Panna Cotta freilich nicht mehr so viel zu tun hat. Aber wenn der Nachtisch schmeckt und dabei noch gesund ist, ist das auch relativ egal.

Neben den Cashew-Kernen spielen Himbeeren in diesem Rezept die zweite Hauptrolle. Also sind – gerade in der Kombination Nüsse und Beeren – jede Menge wertvolle Vitalstoffe enthalten. Somit ist dies ein gesunder Nachtisch, der auch noch verdammt lecker schmeckt. Und optisch lässt sich das ganze auch sehen.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Ausprobieren!

Mohn Cashew Flammeri an Himbeer-Sauce

für 4 Personen

Vegane Mohn Cashew Flamer an Himbeer Sauce Hochformat

für die Flammeri

150 g Cashew-Kerne
250 ml Cashew-Milch (oder andere Pflanzenmilch
1 TL Agar-Agar (2 g)
2 EL Mohn
1 TL gemahlene Vanille
3 EL Kokosblütenzucker

für die Himbeer-Sauce

100 g gefrorene Himbeeren
3 Datteln
50 ml Wasser

einige Blätter frische Minze

Die Cashew-Kerne über Nacht in reichlich Wasser einweichen. Am nächsten Tag abseihen und mit frischem Wasser gründlich spülen. In den Food Processor oder Mixer geben und mit 150 ml Cashew-Milch (am besten selbst gemacht) ca. zwei Minuten mixen. 

Die entstandene Cashew-Creme in einen Topf geben. Den Agar-Agar und den Mohn mit einem Schneebesen einrühren. Kurz aufkochen und unter ständigem Rühren zwei Minuten köcheln lassen. Anschließend den Kokosblütenzucker und die Vanille ebenfalls mit dem Schneebesen einrühren. 

Vier hitzebeständige Förmchen oder Gläser mit kaltem Wasser ausspülen und die Masse darin gleichmäßig verteilen. Etwas abkühlen lassen und dann für ca. drei Stunden in den Kühlschrank stellen. 

In der Zwischenzeit die Himbeeren auftauen lassen. 

Die aufgetauten Beeren mit den Datteln in ein hohes Gefäß geben und mit dem Pürierstab glatt pürieren.  

Kurz vor dem Servieren die Panna Cotta mit Hilfe eines Messers vorsichtig vom Rand lösen und jeweils ein Törtchen auf einen Teller stürzen. Mit der Himbeer-Sauce und der Minze dekorieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.