Sport und der innere Schweinehund

Sport und der innere Schweinehund

Ich mache keinen Sport – ich bewege mich nur!

Jahrelang hat mir das Thema Sport ein schlechtes Gewissen bereitet. Jeder weiß ja schließlich, dass Sport gesund ist und dass man regelmäßig Sport treiben soll. Mein innerer Schweinehund hat mich aber immer wieder davon abgehalten und mir gleichzeitig ein schlechtes Gewissen eingeredet. Lange dachte ich, dass ich Sport nicht mag. Jetzt habe ich herausgefunden, dass ich mich eigentlich gerne bewege. Und es gibt ein paar tolle Tipps, wie man den inneren Schweinehund austrickst. 

Während der Schulzeit war die Welt noch in Ordnung. Mehrmals wöchentlich stand Sport auf dem Stundenplan, und einmal in der Woche besuchte ich die Basketball AG. Sport war einfach da, ohne dass man etwas dafür tun musste. Mir hat es immer viel Spaß gemacht, mich körperlich zu betätigen, und ich war auch – zumindest im Vergleich zu vielen meiner Mitschülerinnen – gar nicht so schlecht darin.

Legendär wird der Moment  bleiben, als in der 3. Klasse mein Namen  als Jahrgangsbeste bei den Bundesjugendspielen per Lautsprecher durchgegeben wurde. Auch wenn ich zugeben muss, dass weitere größere Erfolge ausblieben, war das ein toller Moment.

Dann kam das Studium, und aus Sport wurde etwas, um das man sich extra kümmern musste und das meistens auch noch Geld kostete. Wenn man gerade von zu Hause ausgezogen ist, gibt es natürlich viele Dinge, die interessanter sind als Sport und für die man sein sowieso knapp bemessenes Geld lieber ausgibt.

Aber es gab und gibt auch durchaus gute Argumente dafür, Sport zu treiben:

  • Nur wenn man Sport treibt, bleibt man gesund (war mir als 19-Jährige nicht so wichtig),
  • nur wenn man Sport treibt, bleibt man schlank (war mir als 19-, 29-, 39-Jährige SEHR wichtig),
  • auf die Frage „Und welchen Sport machst du?“ mit „Äh – keinen.“ zu antworten, ist ziemlich uncool (war mir als 19-Jährige ZIEMLICH wichtig).

Offensichtlich reichten diese Argumente aber nicht aus, dass ich bei der Umsetzung meiner durchaus vorhandenen guten Vorsätze auch konsequent und erfolgreich war. Ich erinnere mich noch gut an meine Mitgliedschaft im Fitness-Studio und daran, wie ich mich dort gequält habe. (Der Betreiber des Fitness-Studios hat mit mir ein Vermögen verdient, wenn man bedenkt, wie regelmäßig ich bezahlt und wie unregelmäßig ich trainiert habe.)

Ich erinnere mich auch noch an den unsäglichen Geruch im Squash-Court und daran, wie man nach dem Match einfach nicht mehr zu schwitzen aufhören konnte. Und ich entschuldige mich aufrichtig bei meiner Freundin Nici, die ich unzählige Male abgeschossen habe – es war keine Absicht! (Das hätte ich gar nicht steuern können!)

Irgendwann habe ich aufgehört, in Sportarten zu investieren, die ich gar nicht ausübte. Dies hatte nämlich einen doppelt negativen Effekt: Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich das Geld umsonst investiert hatte, und ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich trotzdem keinen Sport machte. Das schlechte Gewissen blieb trotzdem, aber es war wenigstens gratis.

Später habe ich dann mein schlechtes Gewissen damit beruhigt, dass ich ja sowieso viel zu Fuß unterwegs bin und dass wir ja als Familie am Wochenende häufig wandern oder spazieren gehen, und ab und zu auch Rad fahren…. Wobei sich mein Gewissen nicht vollständig beruhigen ließ, da mir eigentlich klar war, dass ich mich unterm Strich nicht genügend bewegte. Aber mein innerer Schweinehund und ich hatten uns irgendwie darauf verständigt, einander in Ruhe zu lassen.

Ein Jahr ohne Auto

Vor einem Jahr hat mein Sabbatical begonnen. Seitdem habe ich kein Auto mehr. Es war damals eine wohl überlegte Entscheidung, eine Auszeit zu nehmen, um vieles in meinem Leben anders zu machen und zu verändern. Das wichtigste war dabei meine Weiterbildung zur Ernährungsberaterin. Aber ich wollte auch glücklicher und bewusster leben. Mich gesund ernähren, schöne Momente genießen und mich viel bewegen.

Ich bin schon seit Jahren davon überzeugt, dass es viel zu viele Autos auf dieser Welt (und in dieser Stadt) gibt und dass es in einer Großstadt nicht notwendig ist, ein eigenes Auto zu besitzen. Bei uns in Stuttgart gibt es gute U- und S-Bahn-Verbindungen. Und über Carsharing stehen Fahrzeuge auch stunden- und sogar minutenweise zur Verfügung. Also sollte es kein Problem sein, von A nach B zu kommen. Dennoch gab ich im mein Auto vor einem Jahr mit einem etwas mulmigen Gefühl ab. Schließlich war ich es gewohnt, jederzeit ganz spontan irgendwo hinfahren zu können.

Bewegung tut gut

Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass ich vor allem die Carsharing-Angebote nutzen würde. Einfach weil das meiner bisherigen Fortbewegungsart am nächsten kam. Ich dachte also im Grund genommen, ich würde genauso weiter machen wie bisher, nur mit einem geteilten Auto. Es kam aber anders als erwartet. Nach einem Jahr kann ich Bilanz ziehen und sagen, dass ich dieses Angebot insgesamt nur 3 Mal (!!!) genutzt habe.

Ich habe bald gemerkt, dass ich mit der U-Bahn meistens genauso oder fast so schnell bin wie mit dem Carsharing-Angebot. Und dabei noch weitaus günstiger. Erfreut habe ich außerdem festgestellt, dass ich mich auf diese Weise automatisch mehr bewegt habe, denn ich musste ja zumindest zu den Haltestellen kommen. Und das tat mir sehr gut.

Und dann habe nicht mehr auf die U-Bahn gewartet, sondern bin einfach losgelaufen. 2, 3, 4 Kilometer oder mehr. In strammem Tempo. Verblüfft habe ich festgestellt, dass ich zu Fuß oft nicht länger brauchte als mit dem Bus oder der U-Bahn, und dass mir die zusätzliche Bewegung sehr gut tat.  Also bin ich überwiegend zu Fuß gelaufen und bin nur noch längere Strecken mit der Bahn gefahren.

Und dann kam der Sommer, und ich habe festgestellt, dass man die längeren Strecken sehr gut mit dem Fahrrad fahren kann. Und, was soll ich sagen, es tat mir sehr gut, mich noch mehr zu bewegen.

Es ist ja eigentlich eine Binsenweisheit. Aber ich möchte hier ganz deutlich aufschreiben, was ich im letzten Jahr am eigenen Leib erfahren habe:

Der Mensch ist für Bewegung gemacht und Bewegung ist gesund!

Heute kann ich sagen, dass ich mich so fit fühle wie noch nie in meinem Leben zuvor (vielleicht die Schulzeit ausgenommen), und das ganz ohne Sport. Und ohne großen Zeitaufwand. Ich fühle mich rundum wohl (was man von meinem inneren Schweinhund nicht gerade behaupten kann – ha!).

Bewegung in den Alltag zu integrieren hat viele Vorteile:

  • Man hat ein Ziel. Mit einem Ziel vor Augen fällt es leichter, sich zu bewegen. Es macht ja schließlich Sinn, schnell mal zum Bio-Markt zu laufen, weil das Brot alle ist.
  • Man benötigt keine zusätzliche Zeit. Das gibt dem innere Schweinehund kein zusätzliches Futter für Ausreden.
  • Es kostet kein Geld. Das ist nicht das Wichtigste, aber es motiviert zusätzlich.
  • Man hat viele kleine Erfolgserlebnisse. Wenn man täglich Bewegung in den Alltag integriert, wird man auch täglich belohnt, und zwar mit dem guten Gefühl, das man nun einmal hat, wenn man sich ausreichend bewegt.

Und dem Körper ist es am Ende des Tages egal, ob sich das Sport nennt, was wir tun, Hauptsache wir bewegen uns regelmäßig. Dabei sollten wir uns allerdings nicht nur im Schneckentempo fortbewegen. Es ist gut für die Kondition und das Herz-Kreislauf-System, regelmäßig ein wenig außer Atem zu kommen. Und es ist gut für unser Immunsystem, regelmäßig ins Schwitzen zu kommen. Dadurch reinigt sich unser Körper. Also, keine Angst vor Schweiß!

Es gibt viele Möglichkeiten, Bewegung in unseren Alltag zu integrieren. Am besten fängt man mit etwas an, das Spaß macht, und baut das ganze dann Stück für Stück aus. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Spaß an der Bewegung zunimmt, je mehr man sich bewegt. Also, so wie der Appetit mit dem Essen kommt, kommt der Spaß an der Bewegung mit der Bewegung selbst. Ihr könnt

  • öfter mal das Auto stehen lassen und zu Fuß gehen,
  • mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren,
  • den Aufzug links liegen lassen und zu Fuß gehen (schnelles Treppensteigen macht wirklich fit!),
  • Hausarbeit selbst erledigen und nicht delegieren (jeder der schon einmal Fenster geputzt hat, weiß, was ich meine),
  • das Auto nicht direkt am Ziel, sondern weiter entfernt parken (das gleiche geht natürlich auch mit dem Bus oder der U-Bahn – einfach eine Station früher aussteigen),
  • sich mit anderen zum Spazierengehen oder Wandern verabreden (Sandra, ich freue mich auf unseren nächsten Spaziergang!),
  • mehrmals gehen, auch wenn man alles auf einmal erledigen könnte (zum Beispiel zum Einkaufen und zum Glas-Container separat gehen).

Sport ist erlaubt

Und natürlich bedeutet das nicht, dass man keinen Sport mehr machen darf. Wenn man etwas findet, das einem wirklich Spaß macht, ist Sport eine tolle Sache. Wenn der Sport, den man ausübt, wirklich Spaß macht, nimmt man dem inneren Schweinehund von Anfang an den Wind aus den Segeln. Und dann ist Sport sehr gesund. Dann macht er nämlich Freude und keinen zusätzlichen Stress. Allerdings sollte man sich selbst und seinen Körper nicht überfordern. Das führt nämlich zu einer Übersäuerung des Körpers (Muskelkater!) und ist wiederum nicht gesund. In meinem Artikel Sport in der City findet Ihr ein paar Anregungen, wie man Sport ohne großen zeitlichen und finanziellen Aufwand treiben kann.

Inzwischen habe ich so viel Freude an Bewegung, dass ich häufig noch einmal extra rausgehe und eine „schnelle Runde“ um den Block gehe. Und manchmal werden dann aus diesen „schnellen Runden“ ausgedehnte, lange Spaziergänge. Und an Tagen, an denen ich mich mal weniger bewege, fühle ich mich einfach nicht so gut. Dann laufe ich am nächsten Tag meistens eine große Runde durch den Wald.

Ganz bei uns in der Nähe hat ein neues Yoga-Studio aufgemacht. Als ich neulich daran vorbeikam, habe ich mich daran erinnert, dass ich vor einigen Jahren einen Yoga-Kurs gemacht habe, der mir damals viel Spaß gemacht hat. Wer weiß, vielleicht probiere ich das bald mal wieder aus! Ich habe mich schon nach den Kursen erkundigt…

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